Stress-Studie:

Die Studie zeigt, dass immer weiter steigende Zielvorgaben nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen, sondern auch ein selbstgefährdendes Verhalten der Betroffenen fördern. Viele Mitarbeiter verzichten auf Erholungspausen und greifen immer häufiger zu leistungssteigernden Mitteln. Einen Ausweg aus dieser Situation können Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur gemeinsam finden, folgern die Studienautoren.

In der Studie wurden die Antworten von rund 500 abhängig Beschäftigten ausgewertet. Fazit:  Der steigende Ziel- und Ergebnisdruck in Unternehmen verleitet Erwerbstätige in Deutschland dazu, mehr zu arbeiten als ihnen gut tut. Besonders problematisch erwiesen sich hierbei Zielvorgaben, die in einer Zielspirale enden. Die ständig steigende Druck führt dazu, dass 42 % der Befragten angeben, ihr Arbeitsumfeld sei durch steigende Leistungs- und Ertragsziele geprägt, 33 % wissen nicht mehr, wie sie den wachsenden Ansprüchen gerecht werden sollen. Dadurch komme es leicht zu einer Überforderung, resümiert die Studie.

Es werden keine Pausen mehr gemacht, viele gehen krank zur Arbeit.

Damit wächst die Gefahr, dass man sich gesundheitlich selbst gefährdet. Knapp ein Viertel der Vollzeit-Beschäftigten in Deutschland legt ein Tempo vor, das es langfristig selbst nicht durchzuhalten glaubt. 18 % erreichen oft die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, auf Pausen verzichten 22 %. 14 % der Beschäftigten erscheinen oft krank im Unternehmen, 22 % schleppen sich gelegentlich krank an den Arbeitsplatz. 6% gaben an, Mittel zur Leistungssteigerung (Nikotin, Medikamente) zu konsumieren, 5 % nehmen Substanzen, die ihnen helfen sollen, abzuschalten. Außerdem verzichten immer mehr auf Sicherheits-, Schutz- und Qualitätsstandards.

Der DAK-Gesundheitsreport 2015 „Update: Doping am Arbeitsplatz“ stützt mit seinen Ergebnissen diese Studie: Demnach haben knapp fünf Millionen Beschäftigte in Deutschland schon einmal Medikamente genommen, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder um Stress abzubauen. Dies mit steigender Tendenz: In den vergangenen sechs Jahren ist der Anteil von 4,7 auf 6,7 % der Beschäftigten gestiegen, wobei der DAK-Gesundheitsreports 2015 zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer von bis zu 12 % ausgeht. Regelmäßig zu Medikamenten greifen laut Studie knapp eine Millionen Berufstätige (1,9 %).

Es sind jedoch nicht, wie man erwarten könnte, die gestressten Manager, die sich auf diese Weise dopen. Vielmehr sind es vor allem Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten oder unsicheren Jobs, die zu den Risikogruppen für den Medikamentenmissbrauch gehören.

Die Autoren der Bertelsmann-Studie schlagen vor, Arbeitsbedingungen so auszurichten, dass ein gesundheitsförderndes Arbeits- und Leistungsverhalten des Einzelnen möglich wird. Wenn regelmäßig offene, verbindliche und realistische Zielvereinbarungsgespräche geführt würden und die vereinbarten Ziele innerhalb der vertraglichen Arbeitszeit erreichbar seien, reduziere es das selbstgefährdende Verhalten. Aber auch die Beschäftigten selbst sind gefordert, ein Gefühl für die eigenen Grenzen zu entwickelten, damit sie ihr Leistungspotenzial auch langfristig optimal ausschöpfen könnten.

Quellen: A. Chevalier, G. Kaluza: Indirekte Unternehmenssteuerung, selbstgefährdendes Verhalten und die Folgen für die Gesundheit (Newsletter 1/2015 Gesundheitsmonitor), DAK-Gesundheitsreport 2015
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