China-Praktikum

 

Vom 16.08.2018 bis 07.09.2018 durfte ich  auf Einladung der Youjiang Medical University for Nationalities und der Guangxi Universität für Traditionelle Chinesische Medizin in Begleitung von Herrn Prof. Dr. Dr. Heping Yuan und 18 weiteren Therapeuten eine Studienreise nach Baise (Süd-China) antreten.

Wir hatten die Gelegenheit, jeweils mehrere Tage Einblick in verschiedene Abteilungen der Universitätsklinik zu nehmen und konnten dadurch einige Patienten und den Verlauf ihrer Genesung mitverfolgen. Hauptsächlich wurde in den Abteilungen, die wir besuchten, mit Akupunktur gearbeitet – teilweise in Kombination mit Elektroakupunktur, Schröpfen bzw. Moxabehandlung. Besonders beeindruckend waren für mich die Behandlungserfolge bei Facialis Paresen (Gesichtslähmungen). Da in diesen Fällen in China täglich behandelt wird, konnte man von Tag zu Tag Fortschritte beobachten.

Es war hochinteressant, die unterschiedliche Arbeitsweise der chinesischen Ärzte mitzuerleben. Meistens wird sehr viel tiefer gestochen als wir das hier in Deutschland tun. Dementsprechend ist dies auch deutlich schmerzhafter – aber sehr effektiv.

Große Erfolge werden in der Reha-Abteilung mit Akupunktur im Bereich des Bewegungsapparates erreicht. Hier wird mit einer speziellen Stichtechnik noch einmal wesentlich tiefer in bestimmte Punkte eingestochen und dadurch eine schnellere Verbesserungen bewirkt. Insbesondere bei Schulter-Arm-Syndrom, Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule (LWS-Syndrom, Ischias-Schmerzen, Spinalkanal-Stenose etc.) konnten sehr gute Ergebnisse beobachtet werden. Aber auch Lähmungserscheinungen bei Schlaganfallpatienten wurden erfolgreich behandelt und selbst bei Koma-Patienten konnte mit Akupunktur eine Besserung erreicht werden.

Im Unterschied zu Deutschland behandelt man in China auch Kinder – selbst Säuglinge – schon mit Akupunkturnadeln. Besonders bei Entwicklungsstörungen scheinen gute Erfolge möglich zu sein, der Andrang von Eltern mit Kleinkindern mit dieser Indikation war groß. In Deutschland ist dies kaum vorstellbar, denn man kann an der Reaktion der Kinder sehen, wie schmerzhaft und beängstigend diese Behandlung für sie ist. Dennoch kann ich Eltern gut verstehen, die das in Kauf nehmen … sie haben die Hoffnung, dass ihr Kind danach vielleicht aus eigener Kraft das Köpfchen halten oder ohne Hilfe sitzen kann. Selbst möchte ich eine solche Behandlung jedoch nicht durchführen!

Diese Reise nach China war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, denn ich konnte meine Kenntnisse der Akupunktur an der Wiege ihrer Entstehung vertiefen. Die Arbeitsweise der chinesischen Ärzte hat mich sehr beeindruckt und wird meine Akupunkturtechnik sicher nachhaltig beeinflussen.